Ausgespülte Uferbereiche und „nach Luft schnappende“ Fische gehören im Schwetzinger Schlossgarten bald der Vergangenheit an. Seit Dezember 2007 werden die Ufer der Kanäle mit einer neuen Eichenholz-Wasserbaustein-Konstruktion dauerhaft befestigt und die Gewässer entschlammt, wodurch sich die Wasserqualität verbessert.
gefluteter Schwarzmeerkanal im Schwetzinger Schlossgarten, Mai 2008
Über 35 Jahre sammelte sich auf dem Gewässergrund des „Schwarzen Meerles“ und des „Schwarzmeerkanals“ eine 50 bis 80 cm dicke Schlammschicht an, bestehend aus Laub und Schwemmstoffen, die der Leimbach auf seinem Weg vom Kraichgau in den Garten täglich mit sich führt. Zudem waren die alten Ufersaumbretter und Rammpfähle so morsch geworden, dass weite Teile der Ufer abzubrechen drohten.
Die betroffenen Gewässer wurden zunächst trockengelegt. Ein Schreitbagger baggerte auf der Gewässersohle den angeschwemmten Schlamm aus, der dann von einem Radbagger auf bereitstehende LKWs am Ufer verladen wurde. Von insgesamt bis zu 5.000 Tonnen Schlamm wurden die Kanäle und Seen in den letzten Monaten befreit. „Das sind über 100 LKW-Ladungen“, schätzt Gerhard Raab, Gartenarchitekt bei den Staatlichen Schlössern und Gärten in Schwetzingen.
Doch der Schlamm kann nicht einfach im Garten verteilt werden, denn er ist mit Sulfaten und Schwermetallen belastet. Damit zählt er zwar nicht zum Sondermüll, muss aber als sogenannter „Abfall zur Verwertung“ gesondert behandelt werden. Die LKWs laden daher den nassen Schlamm, der laut Raab einem „flüssigen Griesbrei“ gleicht, in großen Schlammbecken in der garteneigenen Baumschule ab, von wo er erst nach der Austrocknung zur Deponie gebracht werden kann. Eine notwendige, aber auch kostenintensive Maßnahme, denn jede sorgfältig entsorgte Tonne Schlamm kostet das Land rund 30 Euro.
Aufwändig ist auch die neue Uferbefestigung: Bis zu 3 m lange Eichenkantholzpfähle werden vor dem alten Uferverbau in die Gewässersohle gerammt. Anschließend wird dahinter eine Trockenmauer aus Wasserbausteinen errichtet und der Zwischenraum zum Ufer mit einer losen Schotterpackung aufgefüllt. Diese 60 cm starke Holz-Stein-Konstruktion verhindert künftig die Ausspülung der Uferbereiche. Zu sehen ist sie jetzt allerdings nur noch auf Bildern, denn die Kanäle sind seit Pfingsten 2008 wieder mit Wasser gefüllt. Nur rund 3 cm der neuen Ufersaumbretter, die an einer zweiten Rammpfahlreihe verschraubt sind und ausgewechselt werden können, ragen nun aus dem Wasser heraus.
Ein erneuter Blick in den leeren Schwarzmeerkanal ist erst in rund 10 bis 15 Jahren möglich, denn dann geht es hier in die nächste Runde der Schwetzinger „Schlammschlacht“.