„Kastanien im Formtief!“

Unter formschönen Bäumen Promenieren wie vor rund 250 Jahren…

Dieses Ziel wird im Garten der ehemaligen kurfürstlichen Sommerresidenz Schwetzingen seit November 2006 von den Gartenarchitekten und Gärtnern der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg realisiert. Die Erhaltung der Alleen und ihres historischen Charakters ist nämlich nicht nur im Parkpflegewerk sondern auch im Management-Plan, der im Rahmen des Welterbeantrags bei der UNESCO eingereicht wurde, festgeschrieben.

alte und neue Kastanienallee im Schwetzinger Schlossgarten

alte und neue Kastanienallee im Schwetzinger Schlossgarten

Schon im Rokoko schätzte man die Allées en terrasse, die als erhöhter Damm angelegt waren und verschiedene Gartenbereiche von einander abgrenzten. Von dieser Promenierallee hatte die höfische Gesellschaft einen ausgezeichneten Blick auf die Boskettzonen und konnte sich zugleich selbst zur Schau stellen. Als äußerst modisch galt damals eine Bepflanzung mit Rosskastanien, denn dieser Baum war Mitte des 18. Jahrhunderts hier noch relativ unbekannt und ungewöhnlich. 1575 wurde die ursprünglich aus dem Balkanraum stammende Rosskastanie als schöner Futterbaum der Tiergärten über Konstantinopel nach Wien eingeführt. Von Frankreich gelangte sie 1699 in die deutschen Territorien und avancierte dort zum Modebaum schlechthin. Insbesondere ihre glatte Rinde im Jugendstadium, die regelmäßige Krone, das schöne Blattwerk und die pyramidenförmigen Blüten beeindruckten Angehörige des Hofes gleichermaßen wie fürstliche Gäste. Ein regelmäßiger Formschnitt erhielt die Idealform des Baumes und verhinderte, dass die Kronen ineinander wuchsen und die Proportionen der Allée découverte, der offenen Allee, verloren gingen. 

Die Kastanienalleen im Schwetzinger Schlossgarten wurden Ende der 1950er Jahre zwar wieder gepflanzt jedoch nie im Schnitt gehalten. Somit gingen mit den außer Form geratenen Bäumen die ursprünglich beabsichtigten Proportionen verloren: Der historische Charakter der Alleen war nicht mehr erlebbar. Einige Bäume standen zudem störend in Wegeachsen, denn bei der Pflanzung war man leicht von Hofgärtner Sckells Plan und den darin vorgesehenen Pflanzstandorten abgewichen. So klein die Abweichungen waren, sie summierten sich dennoch über die langen Strecken der Alleen und verschoben die axialen Bezüge der Bäume zueinander.

Seit November 2006 ist die zuständige Vermögen- und Bau-Verwaltung nun dabei, die alten Kastanien abschnittsweise auszutauschen und zugleich die Wegeflächen wieder höhengerecht als Allée blanche mit einer sandgeschlämmten Schotterdecke instandzusetzen. Im Bereich der nördlichen Kastanienallee zwischen Löwenallee und der Schwarzmeerallee erfreuen mittlerweile 32 neue Bäume die Besucher. Im Herbst 2008 folgt der nächste Austausch, rund vier Jahre wird es dauern bis auch die verbliebenen 405 Kastanien durch junge, gesunde Bäume ersetzt sind.

Auch die Linden der Dreibrückentor-Allee krankten im wahrsten Sinne des Wortes an verschiedenen Problemen. Frostrisse und Schrägwuchs hatten die 25-jährigen Bäume so sehr geschädigt, dass sie seit Ende 2006 durch 61 neue Lindenhochstämme ersetzt werden mussten.

neu gepflanzte Lindenallee im Schwetzinger Schlossgarten

neu gepflanzte Lindenallee im Schwetzinger Schlossgarten
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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook