„Ruinöses“ Geschäft!

Merkurtempel

Er ist der rätselhafteste der sogenannten „fabriques“, der Architekturen im Schwetzinger Schlossgarten, und gibt nur „scheibchenweise“ seit Beginn dieses Jahres einen Teil seiner Geheimnisse preis. Die Rede ist vom Merkurtempel, den Kurfürst Carl Theodor zwischen 1787 und 1792 von seinem Meisterarchitekt Nicolas de Pigage auf einem künstlichen Hügel in der südwestlichen Ecke des Schlossgartens errichten ließ. Über 200 Jahre konnten die Besucher den kleinen Tempel be-steigen und die Aussicht über Kurfürst Carl-Theodors Gartenreich genießen.

Merkurtempel eingerüstet

1996 wurde der Merkurtempel von den Architekten der Staatlichen Bau- und Vermögensabteilung in Schwetzingen jedoch als nicht mehr verkehrssicher eingestuft und für die Öffentlichkeit gesperrt, schließlich wollte man nicht, dass durch herunterfallende Steine jemand zu Schaden käme. Die Schwetzinger mussten sich nun wohl oder übel an den Anblick des bis zur Kuppel eingerüsteten und abgesperrten Tempels gewöhnen. Nicht wenige haben sich vermutlich schon oft die Frage gestellt: Tut sich hier eigentlich noch etwas?

Die Antwort lautet: Gut Ding braucht Weile! Nach umfangreichen Bauuntersuchungen legten die Architekten 2001 ein Konzept für die Restaurierung des Gesamtgebäudes innen und außen vor, bei der die gesamte originale Bausubstanz beibehalten werden sollte. Im Frühjahr 2008 staunten die Fachleute nun nicht schlecht, als Radarstrahlen das sichtbar machten, was man schon seit längerer Zeit vermutet hatte: Der Merkurtempel ist keine haltlose Ruine sondern innen mit einem durchlaufenden Eisengerüst versehen, das dem gesamten dreischaligen Aufbau des Gebäudes (Eisenkonstruktion – gemauertes Gebäude – vorgeblendete „ruinöse“ Fassade) Halt gibt. „Man hat Radar eingesetzt, weil man sich erklären wollte, warum das Gebäude seit 220 Jahren noch steht und gehofft, ein inneres Skelett zu finden“, erklärt Architekt Hans-Dieter Proske. Überall dort, wo er und seine Kollegen heute Verankerungen setzen würden, hatte Pigage schon vorgesorgt – nur eben versteckt. Der Architekt ist voll Bewunderung für seinen im 18. Jahrhundert wirkenden Kollegen: „Sogar Wasserabläufe in der „ruinösen“ Fassade wurden von Pigage vorgegeben. Der Mann hat nichts dem Zufall überlassen!“ 
Dennoch hat der Tempel unter der Witterung gelitten, denn in die  Mauerspalten dringt seit langem Wasser ein, das mit seinen auskristallisierenden Salzen die Fugen allmählich auswäscht, Steine lockern sich und drohen herabzustürzen.

Mosaik an der Außenfassade Spindeltreppe zur Plattform Steine am Kuppelrand

Nun sind die Statiker gefragt, die nach Beendigung aller Voruntersuchungen ein statisches Konzept – vor allem für die Sanierung der Kuppel – entwickeln müssen. Der Beginn der Restaurierungsmaßnahmen ist für Ende 2008 geplant. Drainagen im Erdhügel sollen ständig einsickerndes Niederschlagswasser vom weiteren Auswaschen der Fugen im Untergeschoss und am Mauerfuß abhalten. Das aufgehende Mauerwerk aus Kalktuff wird instandgesetzt, indem geschädigte Steine erneuert, lose Platten wieder befestigt und schadhafte Verfugungen entfernt werden. Geschwärzte Oberflächen sollen behutsam gereinigt werden. Da in vielen feuchtebelasteten Bereichen zudem innen die Putze aufgefroren und abgefallen sind, ist hier eine umfangreiche Instandsetzung durch Sichern, Festigen und Reinigen sowie Erneuern der Putzflächen gefragt. Auch die Fußböden haben über die Jahrhunderte gelitten. Die schönen originalen Kiesmosaike werden gesichert, die Fehlstellen ergänzt.  Damit die Besucher künftig wieder unter der halb geöffneten Kuppel den Blick über den Großen Weiher und zur Moschee genießen können, soll eine neue verkehrssichere Spindeltreppe zwischen erstem Stock und Plattform eingebaut werden. Zu guter Letzt werden Rasenflächen am Hügel und Zugangswege erneuert. 1,5 Mio. Euro sind insgesamt für das Maßnahmenpaket am Merkurtempel veranschlagt.

Ein ganz kleines bisschen Geduld wird den Schwetzingern noch abverlangt, aber bereits 2010 könnte die schönste „Ruine“ ihrer Stadt wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Merkurtempel, Blick aus Gewölbe

Merkurtempel, Blick aus Gewölbe
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