Ein orientalischer Traum in Rosé

Moschee vom Türk. Garten gesehen
Moschee im Schwetzinger Schlossgarten

Seit Mai 2007 ist die außen frisch sanierte Moschee wieder für Besucher geöffnet.  Diese letzte noch erhaltene Gartenmoschee Europas wurde zwischen 1779 und 1795 von Nicolas de Pigage errichtete, in einer Zeit als Kurfürst Carl Theodor bereits seine Residenz nach München verlegt hatte. Die faszinierende Anlage besteht aus einem Zentralbau mit Kuppel (1782-86), flankiert von zwei 37 Meter hohen Minaretten (ca. 1786-95) im Westen und einem kreuzgangartigen Wandelgang im Osten (1779-84). Pigage hielt sich dabei nicht unbedingt an die reine Formensprache orientalischer Bauten sondern bezog europäische Architekturelemente wie spitzbogige Fenster, Rundbogenarkaden und einen Säulenportikus in sein Gebäude ein. An orientalischen Motiven finden sich Turbane, Halbmonde und Koraninschriften. Was den interessanten Bau noch geheimnisvoller macht, ist zudem die Verwendung freimaurerischer Symbole wie des fünfzackigen, von Flammen umgebenen Sterns. Die Moschee diente jedoch keiner religiösen Nutzung. Vielmehr sollte das Gebäude durch die Verwendung verschiedenster Symbole zum Nachdenken anregen. Bewusst gegenüber dem Merkurtempel errichtet, ist die Gartenmoschee als „Tempel der Weisheit und der Vernunft“ zu sehen und soll für die Vervollkommnung des Menschen stehen.  
     

Moschee, Blick über die Gebetsgänge

Blick über die Gebetsgänge

      
Wie an vielen anderen Architekturen im Schwetzinger Schlossgarten hat auch an diesem Gebäude, das in seiner Einzigartigkeit eine wichtige Rolle im Unesco-Welterbeantrag spielt, über die letzten 200 Jahre der Zahn der Zeit heftig genagt. Die aus 100 Einzelelementen wie Priester- und Eckkabinetten bestehenden Gebetsgänge hatten sich bereits vor 20 Jahren in einem sehr maroden Zustand gezeigt, denn ihnen fehlte ein statisches System. Die innere Holzkonstruktion ruhte lediglich auf zum Teil ausgewitterten Sandstei-nen, so dass Wind und Wetter allmählich die Konstruktion verschoben hatten. Die hölzernen Stützen dienen beispielsweise nur der Dekoration und mussten im Zuge der Restaurierungsarbeiten durch Stahlwinkel verstärkt  werden. Auch die Fundamente wurden gereinigt und gefestigt. Holzgitterwerk und Dachschalungen waren durch Feuchtigkeit an vielen Stellen stark angegriffen und mussten repariert bzw. ersetzt werden. Heute werden die schön bemalten Decken der Wandelgänge von den Besuchern wieder ausgiebig bewundert. Doch auch hier mussten die Fachleute Hand anlegen, denn Stuck und Putzflächen wiesen Risse und zahlreiche Fehlstellen auf, wurden ausgebessert und neu gefasst.

Moschee, Blick in die Gebetsgänge

Gebetsgänge

   
Ähnlich ging man auch beim Hauptbau vor, der einer gründlichen Außensanierung unter-zogen wurde. Schadhafte Sandsteine wurden ausgetauscht, fehlende Gesimsteile ergänzt und das Dach neu eingedeckt. Das gesamte Gebäude wurde anschließend mit einem neuen Anstrich versehen. Die exakte Farbe des zarten Rosés wurde durch Untersuchungen der Farbschichten bestimmt und die neue Farbe von den Fachleuten eigenhändig – nichts überlässt man hier dem Zufall. Insgesamt waren an der Sanierung 24 Gewerke wie Steinmetze, Zimmerer oder Bildhauer beteiligt.

Wandelgang der Moschee
Innere der Moschee

Eine Sanierung des Gebäudeensembles ist aufwändig und anspruchsvoll, benötigten die zuständigen Architekten von Vermögen und Bau, Amt Mannheim, doch zwei bis drei Jahre für eine ausführliche Schadensdokumentation und die Vorbereitung der jeweiligen Maßnahme. 1990 bis 2000 konnten für 6,5 Millionen Euro die Gebetsgänge saniert werden, 2,5 Millionen Euro kostete die Restaurierung der Außenfassade des Zentralbaus und der Minarette, die 2001 begonnen und sechs Jahre später abgeschlossen wurde.

Doch auf die Architekten warten hier in den kommenden Jahren weitere Herausforderungen. Für 2011 ist der Beginn der Innenrestaurierung der Moschee, vor allem der mächtigen Kuppel, geplant. Auch hier müssen die Malschichten und Putzdekorationen gesichert und gegen Feuchtigkeit geschützt werden. Die Startgespräche für diese Maßnahmen stehen demnächst an.

Moschee, Blick in die Kuppel

Kuppel der Moschee

Moschee, Flammender Stern im Innern

Flammender Stern
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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook