Reizendes Refugium

Badhaus

Zu den reizvollsten „fabriques“ im Schwetzinger Schlossgarten zählt das erst kürzlich wiedereröffnete sogenannte Badhaus, das private Refugium Kurfürst Carl Theodors. In der zwischen 1768 und 1775 von Nicolas de Pigage errichteten Anlage zog sich der kurpfälzische Regent zum Lesen, Schreiben und Musizieren zurück. Zeitweise durften ihm ausgewählte Mitglieder seines Hofstaats beim Flötenspiel Gesellschaft leisten.

Arbeitszimmer

Der geschmackvoll mit Gemälden und kostbaren Tapeten ausgestattete Bau besitzt ein Ruhe-, ein Tee-, ein Arbeits- sowie ein Badezimmer mit großem über Stufen begehbarem Wasserbecken.

Badhaus, Ostfassade

Nach Norden schließt sich die zauberhafte Brunnenanlage der „Wasserspeienden Vögel“ und das sogenannte Perspektiv, das „Ende der Welt“ an. Umgeben von dichten Hecken war dieser Teil des Gartens mit einem intimen Sommerspeisehäuschen, ausgekleidet mit Delfter Kacheln, und einer Wasserglocke allein dem Herrscher vorbehalten.

Ovalsaal mit malerischer Aussicht auf das Perspektiv ("Ende der Welt")

Ovalsaal

   
1999 begann man mit der aufwändigen Restaurierung dieses Kleinods, denn über die Zeit hatte Feuchtigkeit der hölzernen Dachkonstruktion sowie den Innen- und Außenwänden stark zugesetzt. Zunächst wurden die Fassaden saniert und mit einem neuen Anstrich in einem hellen Ockerton versehen. Die Säulen an der Süd- und Nordfront, das bekrönende Gesims und die kleinen Obelisken an den Dachecken erstrahlen nun wieder in blendendem Weiß. Als ein Glücksfall erwies sich für die Architekten eine Sammlung von Stichen Anton Graffs von 1799, in der sie das Badhaus detailliert aufgemessen und gezeichnet fanden. Anhand dieser Zeichnungen stellte man fest, dass einst eine hölzerne Balustrade den oberen Dachaufbau zierte. Nachdem auch die alten Befestigungsbohrungen in den Holzbalken aufgespürt wurden, rekonstruierte man die Balustrade und gab dem Badhaus sein ursprüngliches Erscheinungsbild wieder.

Badhaus, Nordportikus

Nordportikus

  
Interessant gestaltete sich auch die Restaurierung des Deckengemäldes im ovalen Empfangssaal, berichten die zuständigen Architekten Dr. Hartmann Manfred Schärf und Nanette Schärf: „Nach der Freilegung und der Abnahme von verbräunten Firnisschichten kam ein Bild mit leuchtenden Farben und von überragender Qualität zum Vorschein.“

Ovalsaal, Deckengemälde "Aurora vertreibt die Nacht" von Nicolas Guibal

Deckengemälde im Ovalsaal


Von der Qualität der mit Stuckmarmor prächtig geschmückten Räume, der restaurierten Bildtapeten und der kostbaren Landschaftsgemälde Ferdinand Kobells kann sich nun zwischen April und Oktober wieder jeder Gartenbesucher selbst überzeugen.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook