Viele Generationen von Herrschern haben in Schloss Schwetzingen ihre Spuren hinterlassen. Sie ergänzten Vorhandenes, bauten Zerstörtes wieder auf, aber sie verwischten mit Renovierungen auch so manche kunsthistorisch bedeutsame Hinterlassenschaft ihrer Vorgänger.
In den Jahren 1975 bis 1991 wurde der alte Hauptbau des Schlosses, das Corps de Logis, einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Man entschied sich, als historischen Zeitpunkt für die Wiederherstellung das Jahr 1775 zu wählen. In diese Zeit fällt die Blüte Schwetzingens unter Kurfürst Carl Theodor. Um nun die Ausstattung der damaligen Zeit detailgetreu zu rekonstruieren, studierte man die vorhandenen Inventare (Bestandslisten) von 1775. So konnte man sowohl die Ausstattung der Wände, als auch die mobile Ausstattung nachvollziehen.
Nicht nur Prunkräume erstehen so heute vor den Augen der Besucherinnen und Besucher: Auch einfache Raumtyüen, z. B. die Pudercammer, geben Einblicke in die Alltagswelt des Hofes im 18. Jahrhundert. Für die neue Mode der bis zu 30 Zoll hohen weißen Perücken mussten technische Möglichkeiten für eine gleichmäßige Puderwirkung geschaffen werden. Die Kurfürstin nahm unter einem alles bedeckenden Leinenmantel Platz, das Gesicht mit einer Seidenmaske geschützt. Der Puder wurde in dem engen und niedrigen Raum gegen die Decke geblasen, von der er sich gleichmäßig auf die Locken niedersenkte.
Eine enorme Aufgabe stellt die Restaurierung und Erhaltung des Schwetzinger Schlossgartens dar.
Eine ständige Herausforderung ist die Erhaltung des historischen Gartens: Seine wichtigsten Bestandteile, die Pflanzen, verändern beständig ihre Form. Bei seiner Erhaltung müssen sich die beteiligten Gartenarchitekten und Historiker mit Vorstellungen der Theoretiker des Gartenbaus im 18.Jahrhundert auseinandersetzen: Welche Form und welche Größe soll ein Baum haben? Wie sieht eine Hecke im Schlossgarten aus? Wie dicht werden Bäume für eine Allee gepflanzt?
Teilweise müssen dabei auch unpopuläre Entscheidungen getroffen werden: etwa wenn prachtvolle alte Bäume gefällt werden, weil sie den Maßstab eines barocken Gartens sprengen.
Mit fahrbaren Schablonen, Lot und Schere bewahren die Schwetzinger Schlossgärtner das unverwechselbare Gesicht dieses Gartenkunstwerks.
Ebenfalls restauriert wurde das Badhaus des Kurfürsten Carl Theodor. 1770 war es durch Nicolas de Pigage für ihn errichtet worden. Die kostbar ausgestatteten Räume, die das grottenartige Badezimmer begleiten, sind nun wieder möbliert.