Das Schwetzinger Gartenparterre bietet im April mit der Blüte von rund 40.000 Tulpen und Narzissen ein wirkliches Highlight.
In den Zierrabatten des Rasenparterres sind neben den edlen lilienblütigen Tulpensorten, wie der weiße Sorte ’White Triumphator’ oder der rosa Sorte ’China Pink’ auch die exotischen Papageientulpen mit den Sorten ’Blue Parrot’ und ’Fantasy’ zu bewundern. Auch die spät blühenden Sorten von den insgesamt 9 Tulpensorten in den Schwetzinger Zierrabatten zeigen langsam ihre Blüten und die emailleartigen Farbübergänge werden mit dem Blütenflor der krautigen Pflanzen nach barockem Vorbild erlebbar.
Die ursprünglich aus den Steppen Zentralasiens stammende Tulpe wurde schon in den altpersischen Gärten wegen Ihrer aparten Blüte kultiviert. Es hatte sich aus vielfältigen Kreuzungen der Wildformen der Tulpe im Laufe des 9. Jhs. die Garten-Tulpe entwickelt.
Aus den türkischen Gärten kam die dort beliebte Zwiebelpflanze Mitte des 16 Jhs. nach Mitteleuropa. Der österreichische Botschafter Busbecq brachte die ersten Tulpensamen von einem Aufenthalt am türkischen Hof in Konstantinopel mit nach Wien. Die Tulpe wurde zunächst von Botanikern in deren Gärten kultiviert und von dort aus schnell weiter verbreitet. Schon Anfang des 17. Jhs. war die Tulpe vor allem in den herrschaftlichen Gärten verbreitet.
Da die Tulpe bei Anzucht durch Aussaat zu Mutationen neigt, konnten auf diesem Weg eine Vielzahl von neuen Sorten gezüchtet werden. In Holland entstand in der ersten Hälfte des 17. Jhs. eine regelrechte Tulpensucht, die Tulpomanie. Es gab Tulpenbörsen wo der Handel mit den wertvollen Sorten blühte und astronomische Preise für die seltensten Sorten erzielt wurden.
Die wertvollen Tulpen entwickelte sich im Laufe des 17 Jh. zu einer bewunderten Prachtpflanze in den Barockgärten. Verwendung fand die Tulpe, meist in Kombination mit anderen Zwiebelgewächsen wie Narzissen und Hyazinthen, zur Bepflanzung der Zierrabatte in den barocken Parterreanlagen. Die Beetbepflanzung wurde im Barock nach dem Abblühen nicht komplett ausgetauscht, sondern durch den Sommer- bzw. Herbstflor ergänzt. Daher wurden die Zwiebelpflanzen eher an die Beetränder gepflanzt um die wertvollen Zwiebeln bei der Bodenbearbeitung nicht zu verletzten.
Heute kommen die 40.000 Tulpen- und Narzissenzwiebel im Schwetzinger Gartenparterre schon im Oktober des Vorjahres in die gut vorbereitete Erde, damit eine ausreichende Wurzelbildung bis zum Frühjahr erfolgen kann. Die Auswahl der Pflanzen und Blütenfarben des Frühjahrsflors orientiert sich dabei an den historischen Vorgaben der barocken Gartentheoretiker und den von ihnen vorgegebenen Mustern.