Einzigartige GArtenanlage von europäischem Rang

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen

ZUR SANIERUNG EINES BEDEUTENDEN BAUWERKS

DER MERKURTEMPEL

IM SCHLOSSGARTEN

Ungewohnte Fragen zu Beginn der Arbeiten: Wann ist eine Ruine in schlechtem Zustand? Welcher Zustand war vom fürstlichen Bauherrn Ende des 18. Jahrhunderts gewollt? Seit Mai 2013 ist die Sanierung der malerischen Ruine abgeschlossen und alle Besucher können sich selbst ein Bild machen.

Blick durch den Merkurtempel im Schwetzinger Schlossgarten auf die Moschee; Foto: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Mannheim

Blick vom Merkurtemel auf die Moschee.

ORIGINELLE IDEE: EINE RUINE IM GARTEN

Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz erteilte seinem Architekten Nicolas de Pigage den Auftrag zu einem neuen Gartenmonument. Pigage schlug vor, den geplanten Tempel in Form einer romantischen Ruine zu bauen, als Gegenüber zur Moschee. Der Baubeginn war 1784 - das späteste Bauwerk im Schwetzinger Schlossgarten. Wie alle anderen Bauwerke hat der Merkurtempel eine tiefere Bedeutung: Als Tempelbau erinnert er an ein Grab, als Ruine gemahnt er an die Vergänglichkeit. Der Name „Merkurtempel“ taucht zum ersten Mal 1791 auf.

Merkurtempel im Schwetzinger Schlossgarten; Foto: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Mannheim

Bereits als Ruine erbaut.

MALERISCH ODER KAPUTT?

Bauherr und Architekt konnten nicht ahnen, dass die Entscheidung, eine Ruine zu bauen, gute 200 Jahre später eine Menge Fragen aufwerfen würde. Die zuständigen Fachleute hatten die ungewöhnliche Aufgabe zu entscheiden, welche Bauteile von Beginn an als Ruine geplant und welche tatsächlich in schlechtem Zustand waren. Zahlreiche Untersuchungen am Bau und Archivrecherchen brachten ausreichend Antworten. Bei der Sanierung wurden nur die Steinpartien repariert oder ersetzt, die sehr stark geschädigt waren, um Statik und Dichtigkeit des Bauwerks zu stützen. Oberste Maßgabe: möglichst viel von der Originalsubstanz des eigenwilligen Baus erhalten.

Merkurtempel im Schwetzinger Schlossgarten während der Sanierung; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Petra Pechacek

Die Kuppel mit gewollter Bruchstelle.

DIE KUPPEL: EINE BESONDERE HERAUSFORDERUNG

Wie konnte die Statik der Kuppel gesichert werden? Denn die Kuppel ist – ganz dem Motiv der Ruine folgend – gar nicht als Rund geschlossen, sondern hat eine gewollte Bruchstelle, eine Öffnung. Daher fehlt dort das wichtigste Element der Konstruktion: ein geschlossener Zugring aus Metall am Fuß der Kuppel, der den Gewölbeschub aufnehmen könnte. Pigage hatte eine gute Lösung: Er fügte stattdessen einen offenen Dreiviertelkreis ein. Diese statische Rafinesse konnte jetzt wieder gesichert und stabilisiert werden.

Treppe zum Belvedere des Merkurtempels im Schwetzinger Schlossgarten; Foto: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Mannheim

Treppe zum Belvedere.

AB SOFORT WIEDER ZUGÄNGLICH

Einige Jahre lang war das romantische Bauwerk von Gerüsten verborgen. Jetzt konnte seine langjährige Sanierung abgeschlossen werden. Dafür hat das Land Baden-Württemberg 1,43 Millionen Euro investiert. Zugänglich ist der Merkurtempel ab sofort wieder bei den Führungen der Staatlichen Schlösser und Gärten im Schlossgarten. Das lohnt sich: Denn das obere Geschoss mit seinen Fensteröffnungen war schon im 18. Jahrhundert als Belvedere angelegt worden, als eindrucksvoller Aussichtspunkt über den großen Weiher und zur berühmten Gartenmoschee.

Erdgeschoss des Merkurtempels.