Badhaus im Schlossgarten von Schloss Schwetzingen

FÜRSTLICHER RÜCKZUGSORTDAS BADHAUS

Das Badhaus wird zu Recht als kostbares Meisterwerk im Schlossgarten von Schwetzingen bezeichnet. Kurfürst Carl Theodor ließ sich diesen Rückzugsort zwischen 1768 und 1772 bauen. Hier widmete sich der Regent Literatur, Musik und privaten Gesprächen.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Badhaus

Hier verlebte der Kurfürst ruhige Stunden.

Endlich allein!

Der barocke Hof kannte keine Privatsphäre. Kurfürst Carl Theodor liebte daher seine Sommerresidenz! Hier war das Hofzeremoniell weniger stark ausgeprägt wie in seiner Hauptresidenz Mannheim. Als ganz privaten Rückzugsort für sich selbst und seine Gäste ließ der Kurfürst das durch Hecken abgeschirmte Badhaus anlegen. Hier konnte er ganz für sich allein sein. Hier widmete er sich seinen Leidenschaften: der Musik und seiner Lektüre.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Ovalsaal des Badhauses

Der Ovalsaal mit Blick auf den champignon d’eau.

INTIMES LUSTSCHLOSS

Das kleine, aber feine Gebäude erhebt sich eingeschossig auf einem rechteckigen Grundriss. Bei geöffneten Türen ist sichtbar, wie das kleine Lustschloss auf der Nord-Süd-Achse zwischen dem Bassin der wasserspeienden Vögel und dem Apollotempel aufgestellt ist. Im Osten öffnet sich die Aussicht auf eine Rasenfläche mit dem champignon d’eau, auch Linsenschüssel genannt. Gitterwerk, Mauern und Hecken schützten den einsamkeitssuchenden Fürsten vor den neugierigen Blicken der Öffentlichkeit.

Schloss Schwetzingen, Badhaus

Deckengemälde von Nicolas Guibal.

DER MENSCH IM LAUF DER ZEIT

Das Badhaus kann durch zwei gegenüberliegende Eingänge betreten werden. In der Mitte dient ein schöner Ovalsaal als Festsaal. Nicolas Guibal schuf das Deckengemälde „Aurora vertreibt die Nacht“. Der Maler schafft es mit seiner Kunst, die Raumdecke scheinbar in den dämmernden Morgenhimmel zu öffnen. Das sorgsam restaurierte Gemälde versinnbildlicht den Lauf der Zeit, dem der Mensch sich nicht entziehen kann.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Arbeitszimmer im Badhaus

Das Arbeitszimmer des Kurfürsten.

STILLES STUDIEREN

Vom Ovalsaal führen kunstvoll mit Stuckmarmor geschmückte Vorzimmer in die Privaträume des Kurfürsten. Aufwendig ausgestattet ist das Arbeitszimmer. Es diente sowohl der Repräsentation als auch dem privaten Rückzug und der Kontemplation, wobei der direkte Bezug zur Natur gesucht wurde. In einer von Säulen flankierten Nische steht ein Rufesofa bereit. Landschaftsgemälde von Ferdinand Kobell schmücken die Wände.

Marmornes Wannenbad in grottenähnlicher Umgebung im Badhaus von Schloss Schwetzingen

Der Kurfürst badete in stilvoller Umgebung.

EINE GROTTE ALS BADEZIMMER

Faszinierender Höhepunkt des Badhauses ist das Badezimmer. Hier befindet sich eine in den Boden eingelassene ovale Marmorwanne. Gefüllt wurde sie über bleierne Rohre in Form von vier Schlangen, durch die das in der nahe gelegenen Badhausküche erhitzte Wasser geleitet wurde. Die Wände sind mit Stuck und Halbedelsteinen wie eine Grotte gestaltet. Schönes Detail: In der Decke sorgten die Fenster einer Dachlaterne für Licht und Belüftung.

Auch ein ORT DER MUSIK

Die Bezeichnung „Badhaus“ trifft nur teilweise den Zweck des kleinen Lustschlosses. Es ist nicht einmal bekannt, ob der Kurfürst das große marmorne Wasserbecken – von dem der Name stammt – je selbst benutzt hat. Überliefert ist vielmehr, dass er hier mit auserwählten Gästen in kleinem Kreis diskutierte und musizierte. So erinnert sich der Musiker Christian Daniel Schubart an einen Besuch beim Kurfürsten im Jahr 1773: „Er befand sich, seiner Gewohnheit nach, im Badhause, einem im schwetzingischen Garten gelegenen liegenden zwar kleinen, aber ungemein geschmackvollen Gebäude, die Prinzen Gallian und Ysenburg, die Frau von Sturmfeder und noch ein paar Kavaliers waren bei ihm. Er hatte beinah allen Glanz, jede Miene der zweifelnden Hoheit – nach Klopstocks Ausdruck – abgelegt und schien nur guter Mensch und liebenswürdiger Gesellschafter zu seyn.“ Schubart berichtet weiter, der Kurfürst habe selbst auf der Flöte gespielt, mit den Anwesenden zusammen musiziert und über Literatur und Kunst gesprochen.

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Liebe – Lust – Leidenschaft