EIN GENIALER BAUMEISTER NICOLAS DE PIGAGE

Hinter der beeindruckenden Gestaltung des Schlossgartens steckt der bekannte Oberbaudirektor der Kurpfalz Nicolas de Pigage (1723–1796). Noch heute bilden seine und von Friedrich Ludwig von Sckells 1795 verfassten Empfehlungen eine wichtige Grundlage für die Pflege der Gartenanlage.

Ehrenhof des Schwetzinger Schlosses

Durch Empfehlung kam er an den kurfürstlichen Hof.

WIE GELANGTE DER ARCHITEKT AN DEN KURPFÄLZISCHEN HOF?

Der in Lothringen geborene Nicolas de Pigage studierte in Paris an der Ecole Militaire und an der Acaémie Royale d’Architecture. Nach Aufenthalten in Frankreich, England, Italien und den Niederlanden kehrte Pigage in seine Heimatstadt Lunéville zurück. Hier war er vermutlich für den polnischen Exilkönig Stanislaus I. Leszczynski tätig. Auf Empfehlung kam Pigage 1749 als „Intendant dero Gärthen und Wasserkünste“ in die Kurpfalz, um für Kurfürst Carl Theodor den Neubau von Schloss Schwetzingen zu planen.

WELCHE SCHWIERIGKEITEN HATTE PIGAGE ZU BEWÄLTIGEN?

Der Neubau von Schloss Schwetzingen wurde zugunsten der Errichtung von Schloss Benrath bei Düsseldorf aufgegeben. Pigages Arbeitsplatz lag 20 Jahre lang weit entfernt am Niederrhein. In Schwetzingen machte der „Oberbaudirektor“ 1752 durch den Bau des Rokoko-Theaters im nördlichen Zirkelgebäude von sich reden. 1762 folgten Titel und Funktion eines „Gartendirektors“. Pigage begann nun mit der Erweiterung und Ausgestaltung des Schlossgartens Schwetzingen.

Merkurtempel im Schlossgarten von Schloss Schwetzingen

Eines von Pigages raffinierten Bauwerken.

WAS IST DAS BESONDERE AN SEINEM WERK?

Nicolas de Pigage gelang eine faszinierende Verbindung des in zwei Stilen angelegten Schwetzinger Gartens. Den französischen Teil erweiterte Pigage durch die Neue Orangerie, das Naturtheater mit Apollotempel und den Minervatempel. Das Mittelparterre führte er über das Hirschbassin hinaus bis zum Großen Bassin. Mit dem Tempel der Waldbotanik, dem Römischen Wasserkastell, der Moschee und dem Merkurtempel setzte Pigage raffinierte Akzente im englischen Landschaftsgarten des Friedrich Ludwig von Sckell.

Vogelbrunnen im Schlossgarten von Schloss Schwetzingen

Das Bassin der wasserspeienden Vögel.

SIND SEINE MEISTERWERKE HEUTE NOCH ZU BEWUNDERN?

Alle Gartenarchitekturen Pigages haben sich bis heute original erhalten. Sie bezeugen die Genialität des kurfürstlichen Baumeisters. Mit dem Badhaus, der Anlage des Bassins der wasserspeienden Vögel und dem „Ende der Welt“ schuf Pigage wahre Kleinode im Schlossgarten. Der kleine Garten um das Badhaus herum war ganz allein für Kurfürst Carl Theodor bestimmt. Er bezaubert noch heute durch seine Intimität.

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