Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Präsentation „Weißes Gold aus Frankenthal“

WEISSES GOLD AUS FRANKENTHALÜbersicht der Exponate

Bedeutende Frankenthaler Porzellanfiguren werden im historischen Kontext in den Appartements von Kurfürst Carl Theodor und seiner Frau Elisabeth Auguste gezeigt. Diese Kostbarkeiten aus „weißem Gold“ sind eine Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal.

Appartement Elisabeth Auguste, Schlafzimmer, Kamin

Dame mit Vogelkäfig und Lamm

Frankenthal, 1758/1759, Modell von Johann Friedrich Lück, Porzellan farbig bemalt und vergoldet
H: 14 cm, B: 6,5 cm, T: 6,5 cm
Erkenbert Museum Frankenthal (Pfalz), Inv. Nr. P 0286


Kavalier mit Vögelchen im Hut

Frankenthal, 1758/1759, Modell von Johann Friedrich Lück, Porzellan farbig gemalt und vergoldet
H: 14,6 cm, B: 4,5 cm, T: 4,5 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. P 0286, P 0287

Darstellungen von Schäferinnen und Schäfern waren insbesondere seit dem Barock ein beliebtes Bildmotiv. Durch Theater und Literatur inspiriert, verbildlichte das Schäferidyll fantasievoll die Vorstellungen des europäischen Adels vom einfachen und sorglosen Landleben. Dieses diente als eine Art Zufluchtsort vor der strengen höfischen Etikette bei Hof. Adelige ließen sich zudem selbst als Schäferinnen und Schäfer oder einfache Landbevölkerung portraitieren oder mimten diese in Theaterstücken.

Das zwischen 1758 und 1759 von Johann Friedrich Lück entworfene Schäferpaar entspricht dem Bildtypus des Schäferidylls. Die reiche Kleidung und Ausstattung machen deutlich, dass es sich hierbei nicht um die Darstellung der einfachen Landbevölkerung handelt. Lediglich der Hund zu Füßen des Kavaliers sowie das Lamm zu Füßen der Dame kennzeichnen diese als Schäferin und Schäfer.

Das Motiv verfügt im Fall des Figurenpaares zudem über ein erotisches Element. Die Dame hält in der rechten Hand einen geöffneten, jedoch leeren Vogelkäfig. Ein entflogener Vogel sitzt auf der Hand der Dame, ein zweiter Vogel samt Nest befindet sich im Hut des Kavaliers. Hierbei handelt es sich ebenfalls um ein beliebtes, durch die zeitgenössische Literatur geprägtes Bildmotiv. Ein in einem Käfig gefangener Vogel fungierte als Liebesbeweis und verweist auf das von der Dame gefangene Herz des Liebhabers. Das Schäferpaar könnte für eine entstehende Liebe stehen und spielt durch Hund und Lamm, welche Treue und Stärke sowie Sanftmut und Keuschheit symbolisieren, auf das Verlöbnis oder die Heirat des Paares an.

Appartement Elisabeth Auguste, Audienzzimmer, Kamin

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Porzellanfigur, Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal

Dame und Kavalier beim Brettspiel

Frankenthal, 1765-1768, Modell: Johann Friedrich Lück
Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
H: 17 cm, B: 16,5 cm, T: 9,5 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv-Nr. P 0046

Johann Friedrich Lück schuf ein 18 cm hohes Porzellanpaar, das sich gerade am Damespiel erfreut. Der Kavalier kniet vor der Dame. In der Art, wie sich die beiden ansehen, geht es ihnen scheinbar weniger um das Spiel als vielmehr um die besinnliche Zweisamkeit. Dem entspricht auch, dass die Pose des Mannes wirkt, als wolle er der Dame gerade einen Antrag machen. Darauf, dass das Spiel als Mittel zum Zweck im Hintergrund steht, weißt auch hin, dass es nur 36 anstatt der gewöhnlichen 64 Felder hat und somit als Abbreviatur (symbolhafte Verkürzung) des Spiels dargestellt ist. Der Sockel in Form durchbrochener Rocaillen unterstreicht die leicht erotisch aufgeladene Dynamik, die der Begegnung der beiden Dargestellten innewohnt.

Appartement Elisabeth Auguste, Kabinett, Poudreuse

Schreibzeuggarnitur der Kurfürstin Elisabeth Auguste

Frankenthal, 1782
Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
H: 7,0 cm, B: 27,5 cm, T: 16,2 cm,
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. P 0130

Die Schreibzeuggarnitur wird auf dem Frisiertisch im Kabinett der Kurfürstin Elisabeth Auguste präsentiert. Wie das bekrönte Monogramm EA zwischen Streublumen im Zentrum zeigt, handelt es sich hierbei um die Schreibzeuggarnitur der Kurfürstin. Sie besteht aus einer muschelförmig geschwungenen Schale mit zwei Einsätzen, die als durchbrochene Gitter gearbeitet sind und an Treillagen, Spaliere für Pflanzen, erinnern. Die Einsätze beinhalten herausnehmbare Gefäße für Tinte sowie Sand zum Trocknen der feuchten Tinte. Treillagen stellten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein beliebtes Motiv dar, welches zudem im Schwetzinger Schlossgarten in Form der Laubengänge im Kreisparterre, am Perspektiv sowie am Brunnen der Wasserspeienden Vögel auftritt.

Appartement Carl Theodor, Konferenzzimmer, Kommode

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Porzellanfigur, Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal

Satyr mit Zimbeln und Fußklapper

Frankenthal, 1756/1757, Modell: Johann Wilhelm Lanz,
Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
H: 18,6 cm, B: 10 cm, T: 5,5 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. G 16601

Die knapp 20 Zentimeter hohe Skulptur von Johann Wilhelm Lanz zeigt einen schwarz gelockten Satyr, der an beiden Händen je eine Zimbel trägt und mit dem rechten Fuß eine Fußklapper spielt. Das linke Bein ist als Standbein durchgedrückt. Bis auf ein gemustertes Lendentuch ist er nackt, sein etwas schelmischer Blick ist leicht nach unten gerichtet.

Ein Satyr ist in der griechischen Sage ein lüsterner Waldgeist oder Dämon, der häufig als Begleiter des Dionysos, dem Gott des Weines, in Erscheinung tritt. Das menschliche Wesen hat oft Hörner oder Hufe, in diesem Fall sind sein Attribut Pferdeohren. Zimbeln sind kleine Becken, also Musikinstrumente aus Metall, die in der Griechischen Antike bereits bekannt waren, unter dem Namen Kymbalon.

Diese Miniatur ist wohl nach einer römischen Statue gearbeitet, die wiederum auf eine griechische Skulptur aus dem 3. Jahrhundert vor Christus zurückgeht. Aus statischen Gründen waren sowohl dem antiken Original als auch der Frankenthaler Interpretation ein Baumstumpf beigegeben, an den sich der Satyr anlehnt.

Appartement Carl Theodor, Zweites Vorzimmer, Konsoltisch

Der Raub der Helena

Frankenthal, 1770
Modell: Johann Wilhelm Lanz, nach einer Stichvorlage von Philippe Bertrand,
Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
H: 32,3 cm, B: 20 cm, T: 11 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. P 0245

Mit ihren 35 Zentimetern an Höhe hat die Skulptur von Johann Wilhelm Lanz ein Gewicht von anderthalb Kilogramm, was sehr viel ist für eine Porzellanfigur. Der geharnischte und behelmte Paris steht auf dem in seiner Größe zum Sockel reduzierten Boot und umfasst die nur mit einem Lendentuch verhüllten Helena, die ihren rechten Arm angewinkelt erhoben hat. Der zu Füßen Helenas knieende Ruderknecht ist mit beiden Händen mit dem Heben des Ankers aus der Gischt beschäftigt. Das Tau des Ankers liegt im Boot. Er scheint Gefahr zu laufen, ins Meer zu stürzen.

Mit dem Raub der schönen Helena, die laut Mythos aus dem Ei geborene Tochter des Zeus und der Leda, löste Paris den Trojanischen Krieg aus. Nachdem Helena den Prinzen von Mykene, Menelaos, als ihren Mann wählte, reagierte dieser auf die Entführung Helenas durch Paris nach Troja in seiner Ehre gekränkt mit Krieg.


Raub der Sabinerin

Frankenthal, ab 1770
Modell: Johann Wilhelm Lanz, nach Giovanni da Bologna
Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
H: 28,5 cm, B: 14 cm, T: 12 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.Nr. P 0271

Die Wiederentdeckung von Pompeji und Herculaneum führte im 18. Jahrhundert zu einer noch nie dagewesenen Begeisterung und Faszination für die Antike, welche zudem in alle Kunstgattungen Einzug hielt. Im Repertoire der Frankenthaler Porzellanmanufaktur findet sich ebenfalls eine Vielzahl von antikisierenden Motiven, da sich alle dort tätigen Modelleure diesem Thema widmeten. Die von Johann Wilhelm Lanz geschaffene Gruppe behandelt mit dem Raub der Sabinerin einerseits ein antikes Motiv, welches auf die Gründung Roms zurückzuführen ist. Da es der Legende nach zu wenige Frauen gab, raubten die Römer die Frauen des benachbarten Stammes der Sabiner. Andererseits zitiert Lanz die bekannteste Umsetzung des Themas, welche von Giambologna zwischen 1579 und 1583 im Auftrag der Medici für die Loggia die Lanzi in Florenz geschaffen wurde. Wie die überlebensgroße, aus Marmor geschaffene Florentiner Gruppe weist auch die Frankenthaler Ausführung die komplexe, spiralförmig aufsteigende und allansichtige Komposition aus drei ineinander verschlungenen Körpern auf.

Appartement Carl Theodor, Zweites Vorzimmer, Kamin

Putten als Allegorien der Jahreszeiten

Frankenthal, 1770er Jahre, Modell: Franz Conrad Linck,
Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
H: 11-11,5 cm, B: 3,5-4 cm, T: 3,5-4 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv-Nr. P 0043, P 0007, P 0034, P 0036

Die vier Putten, die die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter versinnbildlichen, sind alle von Franz Conrad Linck geschaffen, haben mit 11,3 cm dieselbe Höhe,  11,3 cm in der Höhe. Es ist also davon auszugehen, dass er sie in einem Zuge entworfen hat.

Ein Putto ist in der Skulptur und Malerei eine Kindergestalt, die meist wenig bekleidet oder nackt, mit oder ohne Flügel auftritt. Die vier dargestellten Putten tragen spärliche Kleidung, bis auf den Winter, der der Jahreszeit entsprechend in ein dickes Manteltuch gehüllt ist. Die Verhüllung des Sommers besteht aus Getreidepflanzen und einem Hut, die Tücher der übrigen sind weiß mit kleinen lilafarbenen Blüten. Die Putten sind in einem zarten rosaroten Inkarnat gehalten.

In der Allegorie übernehmen sie sehr häufig die bildliche Darstellung eines abstrakten Begriffs. Die Jahreszeiten sind insofern abstrakt, als dass sie keinen materiellen Gegenstand darstellen, sondern ein menschengemachtes Konstrukt darstellen, das die Gliederung des Jahreslaufes bezweckt. Eine Allegorie ist an ihrem Attribut erkennbar. Beim Frühling ist es eine Blume, beim Sommer sind es die Getreideähren, Beim Herbst ein gelbes Füllhorn mit Obst und Gemüse, beim Winter ein die linke Hand wärmendes Feuer und das dicke Tuch.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Porzellanfigur, Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Porzellanfigur, Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Porzellanfigur, Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Porzellanfigur, Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal

Appartement Carl Theodor, Zweites Vorzimmer, Grünes Schränkchen

Apollo und die vier Elemente

Frankenthal, 1786/1787, Modell: Johann Peter Melchior,
Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
H: 45 cm, B 21 cm, T: 21 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. P 0140

Johann Peter Melchior schuf mit einer Höhe von 45 cm eine Gruppe von sechs Figuren, bestehend aus Apoll, den Darstellungen der vier Elemente und einem Putto.

Der Sonnengott Apoll thront auf einer ihn tragenden Wolke über den vier Elementen, die er gleichsam beherrscht. Als Attribut trägt er neben der Fackel die Kithara, ein altgriechisches Saiteninstrument. Das Element Luft ist durch Juno verkörpert, der Herrscherin des Himmels. Sie ist die einzige Figur, die vollständig bekleidet ist. Zu ihren Füßen befindet sich ihr Lieblingstier, der Pfau. Der Gott Vulkan, der das Feuer symbolisiert, ist für ihn typisch mit einem schweren Hammer und auf einem Amboss sitzend als Schmied charakterisiert. Er trägt eine schwarze Mütze, um sein Haar vor Feuer zu schützen, sein Manteltuch ist rot wie das Feuer. Rhea ist als Göttin der Erde mit der Zinnenkrone und dem von Früchten überquellenden Füllhorn gezeigt. Ihre Brüste sind nackt, an der Rechten stillt sich ein Putto, wodurch die Fruchtbarkeit der Erde symbolisiert ist. Ebenfalls nackt und wie zum Bade bereit ist die Najade dargestellt, die ihren linken Arm auf die Schulter der Rhea gelegt hat. Nur ihre Scham ist von einem blauen Tuch umspielt. Sie, ihre flüssigkeitsspendende Vase und der Delphin zu ihren Füßen symbolisieren als viertes Element das Wasser.

Die Figuren sind rund um die aufgetürmte Wolke angebracht, sodass sie nicht eine Ansichtsseite haben, sondern von allen Richtungen betrachtet werden können. Wahrscheinlich stand die Gruppe somit auf einem Tisch in der Mitte.

 

Appartement Carl Theodor, Schlafzimmer, Tisch

Kaffee-, Tee- und Kakaoservice mit rauchenden Chinesen

Frankenthal, 1756-1762, Porzellan, farbig bemalt
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. 000.090

Durch die Zunahme des Seehandels mit Asien kam es Ende des 17. Jahrhunderts und im 18. Jahrhundert in Europa zu einer „China-Begeisterung“. Ostasiatische Erzeugnisse erfreuten sich bei Adel und gehobenem Bürgertum großer Beliebtheit und wurden vielfach gesammelt, imitiert und kopiert. Diese Begeisterung für das Exotische hat auch im Schwetzinger Schloss Spuren hinterlassen. Die Wände des sogenannten Chinesischen Zimmers im Badhaus schmücken chinesische Papiertapeten, welche in die Holzvertäfelungen eingepasst wurden.

Da insbesondere ostasiatische Porzellane ein gefragtes Gut darstellten, wurden chinoise Motive und Formen auch in den neugegründeten europäischen Porzellanmanufakturen – teils fantasievoll – umgesetzt. Im Werk der Frankenthaler Manufaktur stellen chinoise Motive im Gegensatz zu figürlichen Ausformungen eine Seltenheit dar und zählten nicht zum Standardrepertoire der Manufaktur. Das 26-teilige Kaffee-, Tee- und Kakaoservice, welches im Schlafzimmer des Kurfürsten präsentiert wird, zählt zu den seltenen Beispielen. Das Motiv des auf einem Felsen balancierenden, rauchenden Chinesen in einer angedeuteten Landschaft entspricht dem zeitgenössischen Bild der Europäerinnen und Europäer vom sorglosen Leben in China.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Porzellanservice, Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Porzellanservice, Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal

Degagements, Speisezimmer, Tafel

Mädchen als figürliche Salière, Knabe als figürliche Salière

Frankenthal, 1776, Porzellan, staffiert und vergoldet
H: 10,7 cm, B: 11,3 cm, T: 8,6 cm
H: 11 cm, B: 11,2 cm, T: 8,4 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. IHK 48-2, IHK 48-1

Die um 1765 von Carl Gottlieb Lück gestalteten Gewürzschalen sind beide gut 10 cm hoch. In den imitierten Flechtkörbchen mit je zwei Henkeln wurde Salz und Pfeffer kredenzt. In der Mitte auf den Körbchen sitzen ein Mädchen und ein Junge. Die Ensembles befinden sich auf flachen, ovalen Rocaillensockeln.

Salz war im 18. Jahrhundert ein kostbares Handelsgut und die einzige Möglichkeit außer Räuchern, Fleisch haltbar zu bachen. Pfeffer musste von weither importiert werden, der Ausspruch „Geh dahin, wo der Pfeffer wächst“ entspringt der Tatsache, dass dieser aus Ländern wie Thailand importiert wurde. Dem Wert der beiden Gewürze entsprechend waren auch die Gefäße, in denen sie gereicht wurden, aufwändig gestaltet.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Porzellanfigur, Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Porzellanfigur, Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal

Degagements, Kredenzzimmer, kleine Vitrine

Teller aus Service Jenner mit Familienwappen auf Fahne

Frankenthal, 1781
Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
D: 23,8 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. P 0299

Das gesamte Service, bestehend aus rund 300 Einzelobjekten und wurde 1784 für den Berner Salzintendanten Johannes von Jenner als Geschenk Carl Theodors gefertigt. Jenner machte sich in den Verhandlungen über die Neubauten der Salinen in Reichenhall und Traunstein verdient, um mit den Bergwerken in Tirol konkurrenzfähig zu bleiben. Hauptabnehmer war die Schweiz, da Salz für die Käseherstellung in großen Mengen benötigt wurde. Carl Theodor investierte in die Sanierung über eine Million Gulden – und in seine Beziehungen zu Jenner das Tafelservice.

In der Sammlung des Frankenthaler Erkenbert-Museums befindet sich ein Teller aus dem Service, das hier im Schloss präsentiert wird. Auf der Fahne, also dem Rand des Tellers, ist das Wappen der Familie Jenner mit Stern und nach unten geöffneter Mondsichel angebracht. Die Ornamentik ist in Blau und Gold gehalten, die Blüten auf dem Tellerspiegel sind bunt.


Teller mit Vogeldekor

Frankenthal, 1770er Jahre
Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
D: 37,5 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. P 0244

Der Teller mit Vogeldekor zeigt ein Dompfaffpärchen, der männliche Vogel mit der roten Brust bewacht das Nest, der weibliche hütet es. Die Rollenverteilung ist also zutreffend und auch die Farbigkeit des Gefieders (das Weibchen in Brauntönen) ist korrekt.

Die Proportionen der Vogelkörper hat der Maler jedoch nicht ganz realisiert, in Wirklichkeit sind Dompfaffen, auch Gimpel genannt, viel kompakter mit einem weniger langen bis nicht vorhandenen Hals und viel kürzeren Schwanzfedern. Die Statur der auf dem Teller abgebildeten Vögel erinnert eher an die der Eichelhäher, die zu den Rabenvögeln zählen. Auch wurden die beiden Vögel und ihr Nest auf einen viel zu kleinen Baum gesetzt, der als Eiche wiederum bei den Vögeln auch an Eichelhäher erinnert (da sich diese im Winter von gesammelten Eicheln ernähren).

Dennoch bewegt sich die Gestaltung des Tellers auf sehr hohem künstlerischem Niveau. Landschaft mit Fluss, Botanik und Tiere sind sehr plastisch und schön ausgeleuchtet wiedergegeben, das aus grünen Stilen bestehende Rautenmuster auf der Tellerfahne (dem Rand) ist mit seinen Überlagerungen sehr aufwändig gestaltet. Auch das Blumendekor ist sehr filigran bedacht. Er stellt einen Teil der Ergänzung des bekannteren Sèvres-Services dar, das Carl Theodor auf Vermittlung der Madame de Pompadour geschenkt bekam und das durch die Frankenthaler Vogeldekor-Produktion vervollständigt werden sollte.


Ovale Platte aus dem Löwenstein-Service

Frankenthal, 1770er/1780er Jahre
Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
H: 20,2 cm, B: 27,5 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. 000.564

Die ovale Platte ist Teil des 82-teiligen sogenannten „Löwenstein-Services“, welches vermutlich anlässlich seiner Thronbesteigung 1789 von Dominik Constantin von Löwenstein-Wertheim-Rochefort (1762-1814) bei der Frankenthaler Porzellanmanufaktur in Auftrag gegeben wurde.

Die Platte schmückt eine antikisierende Vase in Grisaillemalerei in einem ovalen Medaillon, welches von allegorischen Motiven und floraler Ornamentik bekrönt wird. Die Bekrönung mit Dudelsack und Strohhut verweist auf ein Schäferidyll. Die weiteren erhaltenen Teile des Services zeigen Motive zu Themen wie Krieg, Jagd, Fischerei sowie Wissenschaften und Künste. Verschiedene Streublumen umgeben das Medaillon. Eine ebenfalls in Grisaillemalerei gestaltete Bordüre ziert den Rand der Platte.

Es wurde lange Zeit angenommen, dass das Löwenstein-Service nach Vorlage des Krönungsservices angerfertigt wurde. Dieses gab Kurfürst Carl Theodor 1790 zur Wahl und Krönung Kaiser Leopold II. bei der Frankenthaler Manufaktur in Auftrag. Da das Krönungsservice innerhalb von nur drei Monaten entstand, ist die Entwicklung eines neuen Dekors aufgrund der Kürze der Zeit unwahrscheinlich. Die Vermutung liegt daher nahe, dass stattdessen das Löwenstein-Service als Vorlage für das Krönungsservice herangezogen wurde.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Porzellanservice, Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal


Tabatière mit den Bildnissen von Carl Theodor und Elisabeth Auguste

Frankenthal, frühe 1760er Jahre, Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
H: 4,2 cm, B: 9 cm, T: 6,5 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. P 0340

Die Tabatière diente zur Aufbewahrung von Schnupftabak, der sich seit Mitte des 17. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreute. Die Dosen konnten aus Gold, Silber, Elfenbein, Schildpatt, Horn oder Porzellan gefertigt werden und stellten ein wichtiges modisches Accessoire dar.

Die mit Streublumen und plastischer Ornamentik verzierte Tabatière aus Frankenthaler Porzellan offenbart im Inneren die Darstellung Carl Theodors und Elisabeth Augustes als Endymion und Selene nach Ovids Metamorphosen. Der Sage nach verliebte sich die Mondgöttin Selene in den schönen Jüngling Endymion. Um ihn vor dem Tod zu bewahren und ewige Jugend zu verleihen, entführte die Göttin Endymion auf den Berg Latmos und versetzte ihn in einen ewigen Schlaf. Selene besuchte ihren schlafenden Geliebten jede Nacht und soll ihm fünfzig Töchter geschenkt haben.

Die Darstellung verweist auf die erhoffte ewig bestehende Liebe sowie einen reichen Kindersegen des Kurfürstenpaares, obwohl dieses spätestens ab 1767 getrennt lebte. Bemerkenswert ist, dass das Bildmotiv mit den frühneuzeitlichen Geschlechterverhältnissen bricht und möglicherweise auf die dominante Rolle der Kurfürstin in den ersten Jahrzehnten der Ehe Bezug nimmt. Elisabeth Auguste war die älteste Enkeltochter des Vorgängers Carl Theodors und wurde aus dynastischen Gründen mit dem männlichen Erben des Kurfürstentums vermählt. Dieses Rangbewusstsein zeigt auch die Hochzeit des Paares, welche als Zeichen der Machtdemonstration am Geburtstag der Braut und nicht des Bräutigams stattfand.

Degagements, Kredenzzimmer, Vitrine

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Porzellanspucknapf, Leihgabe des Erkenbert-Museums der Stadt Frankenthal

Spucknapf

Frankenthal, 1765, Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
H: 7,7 cm, B: 23,5 cm, D: 12,5 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. G 1312

Der Spucknapf mit einem Napfdurchmessser von 12,5 cm und einem Griff hat eine trichterartige Lippe, an der die Spucke in das Gefäß rinnen kann. Er ist mit einem Rosenmotiv verziert und trägt einen goldenen Rand.

Das Spucken war im 18. Jahrhundert kein Tabu, es sollte nur nicht auf den Boden geschehen – dafür waren Spucknäpfe da. 1714 empfiehlt der französische Priester Johannes Baptist da La Salle in den „Regeln des guten Benehmens und der christlichen Zivilisation“: Spucke so wenig sichtbar als möglich, und sieh, dass du weder andre Menschen noch ihre Kleidung beschmutzt, woran sich Carl Theodor durchaus orientiert haben könnte. Es kursierte sogar die Ansicht, dass sich die Lunge reinigen müsse, wodurch das Spucken sanktioniert wurde. Es war auch nicht als hygienisch problematisch angesehen, da Speichel Wunden heilte, Warzen zum Verschwinden brachte und Augenbrennen linderte, wie bereits der altgriechische Arzt Hippokrates befand. Mit dem Ausspucken konnte sogar der Teufel vertrieben werden, so die einstige Vorstellung.

Mit dem runden Spucknapf hatte Carl Theodor eine mobile Variante zur Hand. Diese hatte den Vorteil, dass sie ihm in jeder Situation gereicht werden konnte. Damit war es etwas alltagstauglicher als das größere, rechteckige „Speikästchen“, das auf dem Boden im Vorzimmer des Badhauses gestanden hat. Beide haben Ähnlichkeit in ihrem Blumendekor und stammen aus der Frankenthaler Manufaktur. Der tragbare Spucknapf weist auf die Normalität des uns heute etwas fremden Spuckens hin.


Nachttopf

Frankenthal, um 1765, Porzellan, farbig bemalt und vergoldet
H: 10,8 cm, B: 19 cm, D: 15,1 cm
Erkenbert-Museum Frankenthal (Pfalz), Inv.-Nr. P 0386

Der Begriff an sich sagt schon viel über die Verwendung aus: Der Nachttopf war dazu gemacht, sich nachts vom Bett aus nicht in die Retirade, wo sonst die Toilettengegenstände aufbewahrt wurden zu begeben. In Schwetzingen war der Nachttopf Carl Theodors in einem Nachtschränkchen untergebracht. Auch findet man Nachttöpfe in sogenannten Leibstühlen, die, gepolstert, ein angenehmes Sitzen ermöglichten. Das hier gezeigte Stück hat einen einfachen Henkel und eine schlichte Gefäßform. Das Blumendekor auf weißem Grund ist in vielen verschiedenen Farben sehr kräftig und voluminös, dafür etwas weniger verspielt gestaltet als bei Vergleichsbeispielen.


Bourdalou

Neben dem runden Nachttopf gibt es auch eine andere Form, die vom 18. bis ins 19. Jahrhundert zwecks Erleichterung in Gebrauch war: der „pot de chambre oval“ war ein relativ flaches, längliches Gefäß mit einem Henkel an einer Schmalseite. Die andere Schmalseite war oft etwas verjüngt und die Mitte des Gefäßes nach innen gebaucht. Bennant wurde es nach Bourdalou ein, das Geschirr an sich ist aber fast hundert Jahre älter.

In Gebrauch war das Bourdalou von gehobenen Damen, die es sich zum Urinieren unterstellten um sich nicht der voluminösen Röcke entledigen zu müssen. Frauen trugen im 18. Jahrhundert keine Unterhosen. Es konnte aus verschiedenen Materialien hergestellt sein: Silber, Glas oder Leder, das im Schloss Schwetzingen ausgestellte Exemplar ist, wie die meisten, aus Keramik. Meist war die Verzierung etwas zurückgenommen, da der praktische Nutzen im Vordergrund stand. Etwas delikate oder frivole Bilder oder Sinnsprüche fanden aber öfter Verwendung, wie etwa „Aux plaisir de dames“ oder „Je te vois“ mit einem beobachtenden Auge darüber. Das Bourdalou war ein Luxusartikel für gehobene Kreise, ermöglichte das mobile Urinieren.

In Mode waren die meisten Bourdalous nur bis ins 19. Jahrhundert, wobei es auch Ausnahmen gab: Die Deutsche Schlaf- und Speisewagengesellschaft, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bundesbahn, stellte in ihren Nachtzügen bis in die 1980er eine Art Bourdalou zur Verfügung, damit die weiblichen Passagiere in der Nacht nicht durch den Zug zur Toilette gehen mussten. In der frühen Neuzeit war das Aufsammeln von Urin wichtig, um mit der wichtigsten diagnostischen Maßnahme, der sogenannten Harnschau, je nach Menge, Farbe, Transparenz, Bodensatz, Geruch und sogar Geschmack des Urins eine medizinische Aussage über den jeweiligen Patienten zu treffen.