Einzigartige GArtenanlage von europäischem Rang

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen

Obstgarten im Schwetzinger Schlossgarten im Herbst; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Gerhard Raab
VOM NUTZGARTEN ZUM BESUCHERMAGNET

DER SCHWETZINGER

OBSTGARTEN

Wenn im Frühjahr die Zierkirschen blühen, lockt das viele Besucher in den „Holländischen Baumgarten“. Doch auch im Herbst lohnt es sich hier vorbeizuschauen. Im ursprünglich als Nutzgarten angelegten Teil des Schlossgartens reift heute wieder Obst.

Äpfel im Schwetzinger Obstgarten; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Wolfgang Schröck Schmidt

Äpfel im Schwetzinger Obstgarten.

EIN OBSTGARTEN FÜR DIE „UNTHERTANEN“

1809 berichtet der Gartendirektor Johann Michael Zeyher über den Bereich im südlichen Teil des Schlossgartens: „Diese Obstbauschule enthält bereits 165.000 Stämme; das beweißt, daß man diesen Zweig der Garten-Kultur nicht nur nicht vernachläßigt, sondern keine Kosten gescheuet hat, diese Anlage auf den höchsten Grad der Vollkommenheit zu bringen.“ Das Obst sollte zur Versorgung der Bevölkerung dienen: An sie sollten die „Bäume zu Bepflanzung der Straßen, der bürgerlichen Alimente und ihrer Gärten um die billigsten Preise abgegeben werden“.

"Plan vom Grosherzoglichen Badischen Schlossgarten zu Schwetzingen", gezeichnet von Garten Director Zeyher; Foto: Universitätsbibliothek Heidelberg

Das Karree des Obstgartens auf einem historischen Plan.

DIE ARCHITEKTONISCHE FORM IST GEWAHRT

An der Mauer des „Baumgartens“ wuchs Spalierobst und Wein. Neben Apfel- und Birnbäumen standen Aprikosen, Pfirsiche und Kirschen im Obstgarten. Um 1930 wurde der Obst- und Gemüseanbau aufgegeben. Der verbliebene Obstbaumbestand wurde Anfang der 1970er-Jahre gerodet. Um die architektonische Form des Gartens zu bewahren, wurden die äußeren drei historischen Baumreihen mit den hochstämmigen japanischen Zierkirschen bepflanzt. Diese Bäume blühen eindrucksvoll, brauchen aber im Vergleich zu den fruchttragenden Obstbäumen kaum Pflege.

Blühende Zierkirsche im Schlossgarten Schwetzingen; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Thorsten Kögel
Herbstlicher Zierkirschgarten im Schwetzinger Schlossgarten; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Gerhard Raab

Japanische Zierkirschen blühen imposant und sind leicht zu pflegen.

Darstellung einer Apfelsorte in einer historischen Publikation; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Alte Apfelsorten in guter Pflanzqualität sind rar.

TRADITIONELLE UND NEUE SORTEN VEREINT

Im Herbst 2001 wurde die innere der drei Baumreihen mit fruchtenden Kirschsorten bepflanzt und die mittlere Baumreihe durch Apfelbäume ergänzt. Bei der Auswahl wurden möglichst alte, gebietstypische Obstsorten bevorzugt. Orientierung bot dabei die historische Pflanzenliste von Zeyher. Der Gartendirektor zählte hier allein über 140 Apfelsorten auf. Weil viele der genannten Sorten in der benötigten Pflanzqualität nicht leicht oder gar nicht mehr zu bekommen waren, wurde auch auf neuere Apfelsorten zurückgegriffen.

Schwetzinger Obstgarten; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Anordnung der Bäume nach historischem Vorbild.

HEUTE NARZISSEN STATT GEMÜSE

Die wiederhergestellte architektonische Anordnung der drei Obstbaumreihen in den vier Kompartimenten geht auf den historischen Bestandsplan Nicolas de Pigages von 1783 zurück. Die vier freien Flächen im Zentrum der Baumkompartimente waren einst Gemüsebeete. Inzwischen stecken rund 18.000 Narzissenzwiebeln in den ehemaligen Gemüsebeeten. Diese läuten im Frühjahr als herrliches gelb-weißes Blütenmeer die helle Jahreszeit ein.

Herbststimmung im Schwetzinger Obstgarten; Foto: Pixabay, gemeinfrei

Zauberhafte Herbststimmung im Schwetzinger Schlossgarten.

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