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Einzigartige GArtenanlage von europäischem Rang

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Garten, Merkurtempel
Ruinenbau im Schwetzinger Schlossgarten

Der Merkurtempel

Im 18. Jahrhundert erfreuten sich Ruinenbauten in Gärten großer Beliebtheit. Als Zeichen der Vergänglichkeit erinnerten sie den Betrachter an die eigene Sterblichkeit. In dieser Zeit entstand auch der Merkurtempel im Schwetzinger Schlossgarten, der gleichermaßen Ruine und Grab darstellt.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Merkurtempel

Eine schon verfallen gebaute Ruine: der Merkurtempel.

Geplant als Ruine

Im Jahr 1784 sollte Baumeister Nicolas de Pigage auf Wunsch des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz mit den Bauarbeiten an einem neuen Monument beginnen. Der Baumeister schlug vor, einen antiken Tempel als Gegenüber zur Moschee zu bauen. Der Clou: Der neue Bau wurde bewusst schon verfallen gebaut, um dem Betrachter den Eindruck zu vermitteln, es handele es sich um ein altes, brüchiges Gebäude. Durch die herausgebrochenen Steine und die halb offene Kuppel wirkt der dreigeschossige und turmartige Ruinenbau verwahrlost und düster.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Merkurtempel

Die künstliche Ruine des Merkurtempels fügt sich in die Herbstlandschaft.

Faszination des Vergangenen

Im 17. Jahrhundert war die längst vergangene Antike Inspirationsquelle der Architekten und lieferte Vorlagen für zahlreiche Bauten. Darauf aufbauend entwickelte sich im 18. Jahrhundert eine regelrechte Ruinenfaszination, die zum Bau künstlicher Ruinen wie dem Merkurtempel führte. Die Bauten sollten eine malerische Wirkung entfalten, mit der Natur zusammenspielen und herrschaftliche Traditionen aufnehmen. Vor allem erinnerten sie jedoch an die Vergänglichkeit des Menschen und seiner Werke.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Moschee

Merkurtempel und Moschee stehen sich gegenüber.

Die Symbolik des Turms

Wie die anderen Bauwerke im Schlossgarten hatte der Merkurtempel eine tiefergehende, verborgene Bedeutung und lässt daher Spielraum für Interpretationen. Als Tempelbau erinnert er an ein römisches Kuppelgrab, Reliefs zeigen Episoden aus dem Leben des Gottes Merkur. Als Ruine gemahnt der Merkurtempel an die Vergänglichkeit. Er steht gegenüber der Moschee auf der anderen Seite des Weihers und lässt folgende Deutung zu: Der Tempel, der für die Nacht und den Tod steht, ist das Gegenstück der prächtigen Moschee, die das Leben und den Tag symbolisiert.