Musizierendes Liebespaar vor Duftvase, Porzellan, Frankenthal, 1758 / 1759 nach einem Modell von von Johann Friedrich Lück

Spiel mit der ErotikPorzellanfiguren

Die sinnlichen Porzellane des Rokokos sind frivol und keusch zugleich. Eine einzige Einstimmung auf die Liebe. Die größeren Werke muss man sich auf Kommoden und Kaminsimsen vorstellen, die andern, viele kleine, sind gemacht, um auf der Desserttafel aufgestellt zu werden.

Schloss Favorite Rastatt, Kostümbild Markgräfin Sibylla Augusta als Schäferin

Markgräfin Sibylla Augusta als Schäferin verkleidet.

Zuflucht in der Natur

Zur Zeit des Rokokos, also in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, möchte die adelige Welt das steife höfische Zeremoniell loswerden. Sie sucht unter anderem Zuflucht in der Natur: Schäfer und Schäferinnen sind die neuen Rollenmodelle. Auf dem Theater, in der Literatur, in der Malerei und der Plastik. Mit dieser heute künstlich erscheinenden Sehnsucht nach Natürlichkeit verbunden ist eine Vorstellung von Liebe und Intimität, die heute äußerst vertraut ist, damals jedoch völlig neu war.

Liebespaar in einer Rocaillenarchitektur, Porzellan, Frankenthal, um 1756 / 1759 nach einem Modell von Johann Wilhelm Lanz

Rocailleformen bilden oft den laubenartigen Hintergrund für die Figuren.

Ein neues Liebesmodell

Das neue Liebesmodell des Rokokos besagte, dass zwei Menschen den Sinn ihres Lebens in der gegenseitigen Liebe empfinden können. Die Liebe ist ruhig, sie ist sanft, zärtlich, vielleicht bürgerlich und allein die Wahrheit zwischen zwei Menschen. Im Zentrum der zwischengeschlechtlichen Beziehung standen der Akt der Verführung und die Inszenierung eben dieser, das Frivole schlug sich nieder in der allgemeinen Akzeptanz von Affären und Liebesspielen.

Weltliche Themen

Die dargestellten Themen schwenken zu einer gewissen Verweltlichung, zu sinnlicher Ästhetik und erotischen Themen. So gibt es bei den Porzellanfiguren einander zärtlich zugeneigte Paare, schmachtende Blicke, viel nackte rosige Haut, sanfte oder verlangende Küsse. Die größeren Porzellanfiguren fanden ihren Platz auf Kommoden und Kaminsimsen. Die kleineren wurden hergestellt, um auf der Desserttafel aufgestellt zu werden. Sie lösten damit die Zuckerbäckerei ab.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Appartement Carl Theodor, Porzellanfigur auf einem Kaminsims im Kabinett

Liebespaar in einer Rocaillenarchitektur auf einem Kaminsims im Kabinett des Appartements Carl Theodor.

Barockschloss Mannheim, höfische Gesellschaft beim Winterspass, Porzellan, Frankenthal, um 1756 / 1759

Durchgearbeitet bis ins Detail: Figurengruppe aus der Manufaktur Frankenthal.

Das weiße Gold

Wie Porzellan hergestellt wurde, war außerhalb Chinas lange ein Geheimnis. Es galt daher als „das weiße Gold“. Mit der Erfindung des Porzellans in Europa entstanden viele Manufakturen, auch in der Kurpfalz. Die Frankenthaler Manufaktur bestand von 1755 bis 1799 und zählte zu den bedeutendsten Produktionsstätten in Deutschland. Ihre eleganten Figuren in Porzellan gehören zu den herausragenden plastischen Arbeiten des 18. Jahrhunderts – meisterhafte Skulpturen in einem miniaturhaften Format. 

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Liebe. Lust. Leidenschaft.