Einzigartige GArtenanlage von europäischem Rang

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen

Orangerie und Orangerieparterre von Schloss Schwetzingen; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Uschi Wetzel
Vom Garten auf die Tafel

Exotische Früchte

Genussmittel und kostbarer Luxus zugleich: Das waren für die barocke Hofgesellschaft exotische Früchte wie Orangen und Zitronen, Ananas und Granatäpfel. In Schwetzingen kamen diese Früchte nicht aus der Ferne, sondern aus der eigenen Zucht auf die fürstliche Tafel – mit hohem Aufwand.

Detail aus einer Tapisserie der „Neuindien“-Serie in Schloss Mannheim; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Exotische Früchte als Zierde an der Wand.

Teures Handelsgut als Luxus

Lebensmittel wie Orangen und Zitronen, Gewürze und Tee, Kaffee und Schokolade, galten im 17. und 18. Jahrhundert als exotisch. Sie kamen per Schiff nach Europa und wurden auf Handelsmessen wie in Frankfurt verkauft. Nur reiche Adelige konnten sich diese Lebensmittel leisten. Zugleich trieben sie den Anbau von Südfrüchten im eigenen Schlossgarten voran. Von den fürstlichen Tafeln ausgehend hielten exotische Früchte, Kaffee und Gewürze – zunächst über die Tische der reichen Bürger – Einzug in den Alltag aller Menschen.

Ananaskübel im Schlossgarten Schwetzingen; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Ursula Wetzel

Ananas galt lange als Zeichen großen Wohlstands.

Versorgung aus dem Schwetzinger Garten

Pflanzen aus dem Süden, vor allem Zitrusbäumchen in vielen verschiedenen Sorten, gehörten zur Grundausstattung fürstlicher Gärten wie in Schwetzingen. Zitrusfrüchte, Granatäpfel oder Ananas überwinterten in großen lichtdurchfluteten Orangerien, wo sie vor Frost und Kälte geschützt waren. 1718 entstand in Schwetzingen die erste Orangerie. Sie war bald zu klein. Deshalb ließ Kurfürst Carl Theodor 1748 das Nördliche Zirkelgebäude als Orangerie erbauen. Ab 1761 entstand dann die Neue Orangerie.

Ananas, Orange und Granatapfel in historischen Stichen: Die exakte botanische Darstellung dieser exotischen Früchte half bei der Erforschung und Pflege dieser Pflanzen.

Exotische Früchte, Pietra-Dura-Tafel im Florentiner Kabinett, Schloss Favorite Rastatt; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Form und Geschmack der Früchte sorgten für Überraschungen in der Küche.

Der Blick in die Küche

Exotische Früchte spielten eine wichtige Rolle in der fürstlichen Küche. Man setzte die Früchte der „Pommes de Sina“, der Orangen, und die sauren von „Citronen und Limonien“ in der Hofzuckerbäckerei ein und verbrauchte oft große Mengen. Zitrusfrüchte wurden beispielsweise zu Sorbets verarbeitet oder kandiert: Das Kandieren verwandelte die Früchte nicht nur in süße Naschereien, sondern konservierte sie darüber hinaus. So konnte auch für tagelange Feste mit vielen Gästen Speisen vorbereitet und gereicht werden.

TIPP

Unsere heutige Tischkultur ist durch eine weit zurückreichende Tradition noch immer tief in der Geschichte verwurzelt. Das Themenportal „Von Tisch und Tafel“ begleitet auf eine kulinarische Reise durch die Kulturgeschichte rund um die Gaumenfreuden von der Antike bis in die Gegenwart.

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