Außergewöhnlich und gewinnbringend Lebensmittel, Gewürze und Nutzpflanzen

Kaffee, Lorbeer, Tabak – exotische Pflanzen und Waren eroberten ab dem 17. Jahrhundert Europa. Im milden Klima der Kurpfalz kultivierte Kurfürst Carl Theodor die unbekannten kostbaren Pflanzen: als außergewöhnliches Genussmittel ‒ und aus wirtschaftlichem Interesse.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Orangerie

Die Orangerie von Schloss Schwetzingen versorgte den Hof Carl Theodors.

GENUSS AUS DEM GARTEN

Über 2.000 Kübelpflanzen fanden in der Orangerie von Schwetzingen zeitweise ihren Platz. Die großen Bestände kamen nicht von ungefähr: Der kurfürstliche Hof schätzte die außergewöhnlichen Lebensmittel und Gewürze. Die Pflege und Aufzucht der Bäume und Sträucher betrieb man mit hohem Aufwand. Das lohnte sich: Die Früchte und Zutaten mussten nicht mehr aufwändig und kostspielig aus dem Mittelmeerraum, aus Südamerika oder Afrika importiert werden.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Grüner Speisesaal

Im grünen Speisezimmer aß die kurfürstliche Familie im kleinen Kreis.

ALLES, WAS DER HOF BEGEHRTE

In den hellen Sälen der Orangerie überwinterten zahlreiche Exoten: Orangen-, Granatapfel- und Lorbeerbäume, aber auch Dattelpalmen, Jasmin und Aloen. „Das Churfürstl. Gewächs-Hauss war mit Vielen Levantinischen Caffe-Bäumen versehen, die so reichlich caffé-Bohnen getragen, als zur Consumptio für die höchsten Personen der gnädigsten Herrschaften erforderlich ware.“ Orangen und Zitronen verwandelte man zu kühlen Sorbets; in der Zuckerbäckerei kreierte man damit exquisite, fruchtig-frische Desserts.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Luftbild

Blick vom Schlossgarten entlang der ehemaligen Maulbeerallee nach Heidelberg.

DIE MAULBEERALLEE

Im milden Klima der Kurpfalz wuchsen Pflanzen, die es anderswo schwer gehabt hätten – wie die empfindlichen Maulbeerbäume. Mit der Seidenraupenzucht führte Kurfürst Carl Theodor in Schwetzingen eine Jahrtausende alte Kulturtechnik aus China ein. An der Allee Richtung Heidelberg pflanzte er die Maulbeerbäume, die die Grundlage für seine Pläne bildeten: Hier fanden die zarten Seidenraupen ihren Futterplatz. Noch heute findet sich ein Maulbeerbaum im Arboretum, dem Baumpark des Schlossgartens.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Ziertabak

Der Ziertabak besticht durch seine Schönheit, ein Industrieprodukt war er nicht.

TABAK AUS SÜDAMERIKA

Tabak kam ursprünglich aus Südamerika nach Europa. Kurfürst Carl Theodor versprach sich durch den Tabakexport hohe Einnahmen. „An einigen Stellen pflanzen sie Kartoffeln und lassen anderes Land offen für Mais und Tabak. Viele Pfirsiche und andere Obstbäume wachsen an den unteren Hängen der Berge“, zeigte sich Thomas Jefferson, der spätere amerikanische Präsident, auf seiner Europareise 1788 beeindruckt. Für das Trocknen der Tabakblätter nutzte man hohe, winddurchlässige Scheunen in den umliegenden Dörfern.

Schon immer zeichnete sich Europa durch sein Interesse an der Welt und ihren Schätzen aus. Kenntnisse und Kostbarkeiten aus der Fremde erweiterten den Horizont und beeinflussten Kunst, Kultur und Wissenschaft. Die Themenwelt „Exotik“ zeigt das europäische Verlangen nach Exotik in seinem ganzen Facettenreichtum.

Exotik. Faszination & Fantasie