DEKORATIV, KUNSTVOLL UND ERZÄHLERISCH Figuren für die Fürstentafel

Prunkvolle Tischdekoration spielte in der Barock-Zeit eine große Rolle. Einzelne Figuren, Figurengruppen und ganze Landschaften aus Porzellan schmückten die Tafeln und erzählten nebenher Geschichten – häufig verwiesen sie auf fremde Kulturen.

Anrichtezimmer mit Frankenthaler Porzellan, Schloss Schwetzingen

Im Anrichtezimmer wurde Porzellan aufbewahrt.

Neues Material für den Tisch

Porzellan spielte nach seiner Erfindung eine immer größere Rolle in der barocken Tafelkultur. Teller, Schüsseln und Anbietplatten wurden zunehmend aus Porzellan hergestellt und genutzt. Außerdem wurde das neue Material auch für die eigentliche Tischdekoration, also Figurengruppen und große Tafelaufsätze, beliebt. Bis dahin waren diese aus Metall und Edelsteinen oder aus vergänglichen Materialien wie Zucker und Wachs hergestellt worden.

Themen auf der Tafel

Beliebt waren Gottheiten aus der antiken Mythologie und allegorische Figuren – solche Figuren eigneten sich besonders für eine Tafeldekoration, denn die Gäste konnten beim Austausch über die Dekoration ihre Bildung beweisen. Weitere Themen für Figurengruppen, die auch das Gespräch bestimmen konnten oder dem Motto eines Festes entsprachen, waren: die Jahreszeiten, fremde Länder und Kontinente oder Darstellungen der Künste.

Ob Jäger, Chinesenpaar oder Musikerin – die Abwechslung auf der Tafel diente der Unterhaltung.

FASZINIERENDES ASIEN

Die Darstellung fremder Kulturen auf den Tischen und Tafeln des Adels war im 18. Jahrhundert ein Trend. Durch eine außergewöhnliche Tischdekoration konnte der Gastgeber seine Weltoffenheit und sein Wissen demonstrieren. So verwiesen die Porzellanfiguren auf die Ursprünge des „Weißen Golds“ in Fernost. Die chinesisch anmutenden Szenen mit ungewöhnlichen Gegenständen, Kostümen und Tieren – hier auf der Tafel von Kurfürst Carl Theodor – spiegeln das Interesse des Fürsten an Asien wider.

Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz und Herzog Carl Eugen von Württemberg: zwei Herrscher, die ihre eigene Porzellanmanufaktur besaßen.

Detaillierte Entwürfe

Porzellanfiguren für die barocke Tischdekoration stammten meist aus den fürstlichen Porzellanmanufakturen. Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz ließ seine Figuren in der Manufaktur Frankenthal herstellen. Herzog Carl Eugen von Württemberg gründete in Ludwigsburg eine Manufaktur, die sämtliche Tischdekorationen für seinen Hof lieferte. Grundlage für die Herstellung der aufwendigen Dekorationen waren Entwurfszeichnungen. Sie zeigen beispielsweise Entwürfe für Dessert-Aufsätze mit Landschaften oder Jagdszenen, mit Springbrunnen und Gartenarchitektur.

Schon immer zeichnete sich Europa durch sein Interesse an der Welt und ihren Schätzen aus. Kenntnisse und Kostbarkeiten aus der Fremde erweiterten den Horizont und beeinflussten Kunst, Kultur und Wissenschaft. Die Themenwelt „Exotik“ zeigt das europäische Verlangen nach Exotik in seinem ganzen Facettenreichtum.

Exotik. Faszination & Fantasie